WOHNEN UND ARBEITEN im 19. Jahrhundert
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Zeitreise INS 19. JAHRHUNDERT
Im «Lindwurm» ist die Zeit stehen geblieben: Der Esstisch ist gedeckt, frische Blumen verbreiten ihren Duft, im Vorratskeller lagern Wein, Brot und Gemüse und auf dem Dachboden trocknen Kräuter neben der frisch gewaschenen Wäsche. Alles ist so, als wäre das Haus von einer Familie mit Kindern und Dienstboten bewohnt.
Lebensnah gibt das Museum Lindwurm in Stein am Rhein so einen Einblick in den Alltag einer gehobenen Bürgerfamilie der Biedermeierzeit (ca. 1815 – 1848). Auf vier Etagen wandeln Besuchende durch eine Zeit ohne Strom und fliessend Wasser. Der Familienbereich mit Esszimmer, Schlafzimmern und der Küche unterscheidet sich vom Salon im Obergeschoss, in dem Gäste empfangen wurden.
Auf der Rückseite des Innenhofs liegt das Hinterhaus. Hier ist der landwirtschaftliche Bereich mit Ställen, Scheune, Werkstatt und allerlei alten Geräten und Werkzeugen untergebracht. Auch die karge Schlafkammer des Knechts und der Getreidespeicher befinden sich hier.
Ein besonderes Erlebnis ist das Spielzimmer. Nach Herzenslust dürfen grosse und kleine Museumsgäste hier alles ausprobieren. Mit Zylinder und Weste oder in bodenlangen Kleidern in das Leben von früher schlüpfen, historische Spiele entdecken und auf Strohmatratzen Probe liegen.
EINBLICKE in die Ausstellung
DIE GESCHICHTE DES Lindwurms
Der Lindwurm zählt zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Das Haus wurde im Mittelalter (1279) erbaut und über die Jahrhunderte hindurch immer wieder umgebaut und erweitert. Heute sieht das Wohnhaus von aussen wie ein kleines Stadtpalais aus. Die Fassade ist mit Pilastern und einem griechischen Giebel verziert. Diese Umgestaltung fand 1819/1820 unter dem damaligen Besitzer Johan Conrad Arbenz statt. Der sogenannte Empire-Stil war zu dieser Zeit modern. In Stein am Rhein ist es die einzige Fassade in diesem Stil, die bis heute erhalten ist.
Das Hinterhaus wurde erst 1712 als Stall und Wirtschaftsgebäude errichtet. Der Bau hat sich bis heute kaum verändert. Vorder- und Hinterhaus trennt ein kleiner Innenhof. Verbunden sind die beiden Häuser durch hölzerne Laubengänge. Diese Art der Verbindung findet man in Stein am Rhein sehr häufig. Sie ist ein typisches Architekturelement der Stadt.

Das Hinterhaus wurde erst 1712 als Stall und Wirtschaftsgebäude errichtet. Der Bau hat sich bis heute kaum verändert. Vorder- und Hinterhaus trennt ein kleiner Innenhof. Verbunden sind die beiden Häuser durch hölzerne Laubengänge. Diese Art der Verbindung findet man in Stein am Rhein sehr häufig. Sie ist ein typisches Architekturelement der Stadt.
Das Haus und sein Name
Lindwurm ist ein altes Wort für einen Drachen. Fabelwesen und Tiere waren im Mittelalter zur Benennung von Gebäuden beliebt. Oft sind diese Tiere auch auf Hausschildern oder an den Fassaden zu sehen. Es gab noch keine Strassennamen und Hausnummern, wahrscheinlich auch deshalb, weil die meisten Menschen im Mittelalter nicht lesen konnten. Die Bilder halfen den Bewohner:innen und Besuchenden sich in der Stadt zu orientieren.
BIOGRAFIEN der Bewohner:innen
Mitte des 19. Jahrhunderts kauften Johann Jakob Gnehm und Maria Gnehm Gräflein den Lindwurm. Sie waren die Grosseltern von Jakob und Emma Windler, die bis zu ihrem Tod im Haus lebten. Emma Windler wünschte sich, dass das Haus ihrer Grosseltern als Wohnmuseum erhalten bleibt. Um diesen Wunsch umsetzen zu können, wurde die Jakob und Emma Windler-Stiftung 1989 gegründet.
Johann Jakob Gnehm Oberstleutnant (1810 – 1875) und seine Frau Maria Gnehm Gräflein (1815 – 1899) bewohnten das Haus mit ihren fünf Kindern Johann Jakob (II), Alina, Robert und den Zwillingen Bertha und Emma für kurze Zeit.
Robert Gnehm (1852 – 1926) war zu seiner Zeit eine Schlüsselfigur der akademischen Chemie und der chemischen Industrie. Er prägte als Professor für technische Chemie und als Rektor die Hochschullandschaften in Zürich und Basel nachhaltig.
Neben seinen zahlreichen Tätigkeiten und Funktionen, z.B. als Präsident des Schweizer Schulrates, war besonders sein Wirken in der Wirtschaft als Mitbesitzer und Verwaltungsrat von Sandoz bemerkenswert. Nach dem Tod von Robert und seiner Frau Marie erbte die gleichnamige Tochter Marie ein grosses Vermögen und das Haus Lindwurm.
Marie Gnehm (1883 – 1944) studierte Medizin und hatte für eine Frau der damaligen Zeit aussergewöhnliche Hobbies, wie Bergwandern und Skifahren. Da sie kinderlos blieb, vermachte sie einen Teil ihres Erbes ihren nächsten Verwandten, ihrem Cousin und ihrer Cousine Jakob und Emma Windler.

Jakob und Emma Windler Zurückgezogen lebten die Geschwister Jakob (1885 – 1975) und Emma (1891 – 1988) Windler im Haus ihrer Grosseltern, dem Lindwurm.
Besonders Emma hegte den Wunsch, der Nachwelt den Lindwurm in der Wohnlichkeit und Atmosphäre zu erhalten, die sie aus ihren Kindertagen erinnerte und liebte.
LEITBILD
Unsere Mission
Das Museum Lindwurm macht das 19. Jahrhundert erlebbar. In historischem Ambiente zeigen wir auf rund 1500 m² bürgerliches Wohnen und landwirtschaftliches Arbeiten. Wir sind ein lebendiger Ort mit Veranstaltungen, Workshops, Führungen und Demonstrationen für Kinder und Erwachsene.
Unsere Vision
Wir schaffen eine authentische Zeitreise, in der Besucher*innen ins 19. Jahrhundert eintauchen können. Das Museum Lindwurm macht Geschichte fühlbar, anfassbar und verständlich.
Kooperieren und Netwerken
Das Museum Lindwurm ist Mitglied im Verein Museen und Schlösser Euregio Bodensee e.V. und im Verband der Museen Schweiz. Ausserdem ist das Museum Kooperationspartnerin für verschiedene andere Institutionen und Verbände.
Trägerschaft
Die Trägerschaft des Museum Lindwurm ist die Jakob und Emma Windler-Stiftung. Die Stiftung betreibt seit 1999 die Artist in Residence Chretzeturm sowie seit 2022 das Kulturhaus Obere Stube in Stein am Rhein.
